Über Medeas Töchter*…

…feministische Reibungsflächen und die Qualität langer künstlerischer Prozesse. Ein Plädoyer für Sisterhood

von Corinne Eckenstein

Begonnen hat alles vor mehr als zwei Jahren mit einer Idee und einem Konzept für eine feministische Neuschreibung des Medea Mythos. Aslı Kışlal, Magda Chowaniec und ich starteten den Versuch einer gemeinsamen künstlerischen Arbeit.

Ein Prozess, der eine so lange Zeit umfasst bietet Räume und Entwicklungsmöglichkeiten an, die es in sechs bis sieben Wochen Proben nicht gibt. Zu dritt Projekte zu gestalten, ist bereichernd und herausfordernd zugleich. Man muss den Blick immer wieder öffnen und neu fokussieren. Darauf vertrauend, dass es ein gemeinsames Anliegen gibt. Von manchen Idealvorstellungen haben wir zwischendurch immer wieder Abschied genommen. Wenn ein Weg nicht stimmig war, wurde er auch wieder verworfen, verändert, hinterfragt. Wir versuchen immer wieder neu hinzuhören, oft gibt es viele Stimmen gleichzeitig, manchmal ein ganzes Stimmengewirr. Alle in unserem sehr großen Team sind auf diesem Weg mitgegangen und niemand wurde zurückgelassen. Die gemeinsame Energie, die in diesem Prozess entstanden ist, ist besonders bereichernd und jeden Schritt wert gewesen.

Solidarisch in einem Frauen*team zu arbeiten, ist einer jener Reibungsräume, in denen  sich Frauen* treffen und gemeinsam feministische Themen verhandeln können. Der Umgang und die Auseinandersetzung im Team stehen im Vordergrund. Emanzipatorische Prozesse finden statt, wenn viele junge Frauen* – Medeas Töchter* – miteinander arbeiten.  Wenn durch den Zusammenhalt innerhalb eines Prozesses ein feministischer Kontext entsteht– das ist für mich Sisterhood. Denn Sisterhood heißt auch, dass Konflikte ausverhandelt werden und sich konstruktiv und produktiv gemeinsam zu entwickeln. Gemeinsam mit den  den Musikerinnen* Yasmo und EsRap haben die vielen jungen Frauen* im Herbst 2019 geschrieben und gerappt, mit Magda,  Aslı und mir in Workshops und Rechercheateliers eine gemeinsame Energie entwickelt. An Tunay Önders Texten können sie ihre Gedanken reiben, ihren Blick auf andere Sichtweisen schweifen lassen. Wir sind im Prozess und diese Website ist ein Teil davon. Ein Teil, der unsere Wege und Umwege, Vor- und Rückwege begleitet und dokumentiert. Im digitalen Raum werden die jungen Frauen* sichtbar Wir wollen ihnen den Raum geben, sich über das Projekt zu empowern. Raum für eine eigene Stimme, eine Stimme, die erhoben wird. Nicht mit unseren, sondern mit ihren eigenen Worten. Medeas Sisterhood.

MEDEAS IRRGARTEN

Solidarisch ist, wer zuhause bleibt. Kunst- und Kulturinstitutionen müssen schließen, sie sind Freizeitvergnügungen. Waffengeschäfte bleiben geöffnet… Aber MEDEAS TÖCHTER* können nicht zuhause…

Medeas Töchter* @ Kultursommer

Photos by Rainer Berson

Medeas Töchter* @ Klimacamp

5 unserer Medeas Töchter* wurden am 2.9.2020 vom Klimacamp eingeladen ihre 5 systemrelevanten Performances bei ihrem Rahmenprogramm (Recht auf Stadt(t)(-Klimacamp))zu zeigen. Was…