Medeas Tochter* Cecilia

3) Ich bin eine Tochter Medeas – Monolog

Ich bin eine Tochter Medeas.

 

(Auszüge von Tunay Önder)

Die Sage meiner Mutter füllt seit 2500 Jahren die Bühnen der Welt. In gewisser Weise ist sie der absolute Kassenschlager, ein Rockstar der Theatergeschichte, die Beyoncé der Antike.

Medea. Und der Untertitel müsste lauten: Wer hat Angst vor der Schwarzen Frau.

Diese Geschichte sagt mehr aus über den Geschichtenschreiber und die Politik des Geschichtenerzählens als über Medea.

Was für Moralposteln diese Schreibtischtäter waren! Euripides, Seneca, Homer und wie sie alle heissen.

Moralaposteln gibt es auch heute noch unter uns:

Sie machen sich die Hände niemals dreckig, höchstens mit der Tinte ihrer Feder. Aber morden, das tun Saubermänner nun wirklich nicht, und die eigenen Kinder schon 10 mal nicht.

Die eigenen Kinder. Wer soll das überhaupt sein?

Die, die vor den Küsten des Mittelmeers aus den Booten fallen und ertrinken, zählen auf jeden Fall nicht zu den eigenen Kindern.

Ganz offensichtlich nicht. Sonst müsste man sich eingestehen, dass Europa ein noch viel größeres Monster ist als es Medea jemals hätte gewesen sein können.

So eine Frau schluckt nicht. So eine Frau hält nicht einfach den Mund. So eine Frau weiß wie man zurückschlägt.

(Cecilia)

Jason ich will dich zerfetzen, dein Gesicht auskratzen, dir die Augen aufstechen, sodass das Blut dir, Tränen gleich, die Wangen runterrennt. Du hast kein Herz. Kein Herz für mich.

Ich will dich zerreißen, zerfleischen. Was lachst du so höhnisch? Warte nur bis ich mit meinen Krallen zu dir lange. Wie ein Tier blecke ich meine Zähne, knurre, reise an den Ketten die mich davon abhalten dir Schmerzen zuzufügen. Es sind die Hände von Kreons Gefolgsleuten, die den Liebling ihres Königs schützen, blind die Befehle ihres Thronfolgers ausführen und lachen, lachend mich daran hindern dich zu erwischen. Ich will, dass du leidest, leidest so wie ich gelitten habe. Zurück gelassen habe ich alles was mich wärmte. Ich bin von dir verlassen worden, da ich dir nichts bedeute. Zurück in die Heimat meiner Mutter, die sie für dich verraten hat, kann ich nicht. Ich bin heimatlos. Eine Fremde war ich stets.

Ich will dich vergiften, mit Scheuermilch, mit hochprozentigem Alkohol und allem was ich finden kann.

Alles was ich bin wollte ich dir geben.

Jetzt erobere ich mich selbst zurück und ziehe in die Meere. Eine Fremde auf fremdem Boden will ich nicht mehr sein. Ich schenke mich dem Meer, auf dass es mich aufnimmt in seine Wogen, seine tiefen Gewässer, mich aufnimmt in den freien Ozean, der nur über sich selber herrscht und nur sich selbst gehört, wie ich.

Kommt mit uns…

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